Rundbriefe von Sr. Christina und Sr. Michaela aus Albanien

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13. Oktober 2020

Begegnung

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde in der Heimat,

grüss Gott aus dem Klösterle. Wir hoffen, Ihr seid wohlauf und dürft Euch auch ein wenig an den Herbstfarben freuen.

Ich bin wahrscheinlich den letzten Morgen in diesem Jahr draussen an der Muttergottes-grotte gehockt, um die Laudes zu beten und ein wenig zu meditieren. Ein paar Weinberg-schnecken kreuzen meine Gedanken, buchstäblich. Sie eilen nicht und ich denke, ob sie manchmal über meine Hektik ihr Haus schütteln vor Lachen. Die Luft ist schwül heute Morgen und in der Nacht hat die Erde wieder gezittert. Seit etlichen Tagen gibt es Erdbeben bis zu 4,6 auf der Richter – Skala in der Gegend, wo letztes Jahr das grosse Erdbeben war. Ich segne die Erde und das Wetter an diesem Morgen. Es ist Sonntag. Ich lasse die letzten zwei Wochen nochmal vorbeifliegen. Über mir ächzt der angerissene Ast unserer Trauerweide. Auch hier ist es nach sehr heissen Wochen kühler geworden und der Regen ist gekommen. Gott sei Dank. Wir hatten die letzten vierzehn Tage immer wieder starke Unwetter, aber alles ging noch relativ glimpflich ab. Unsere Garage hat es in einer Nacht überschwemmt, die Küche im Kinderzentrum auch. Es hat den Bauern Früchte von den Bäumen geschlagen und teilweise auch die Obsternten vernichtet. Wir sind dankbar, dass die Unwetter keine Leben gekostet haben. Mit Corona ist die Lage hier noch chaotischer geworden. Unsere Ambulanz ist auch «überschwemmt». Patienten, die dringend ins Krankenhaus gehören, kommen hierher. Sie haben Panik vor dem Krankenhaus wegen einer Ansteckung mit dem Corona-Virus. Und dann hält sich hier sehr zäh die Fake News, dass Kranke mit Corona in den Krankenhäusern eine Todesspritze bekommen. Das Vertrauen in das medizinische System war eh schon angegriffen; jetzt ist es sozusagen unter null. Da kommt ein Vater mit seinem Jungen. Er hat eine schwere Milzvergrösserung und ganz hohe Leukozytenzahl und hohes Fieber. Er hat mit seinem Sohn das Krankenhaus, genau wegen dieser Angst, auf eigene Verantwortung verlassen und meinte nun, wir machen den Jungen hier mit irgendeinem Wundermittel gesund. Solche Situationen häufen sich. Und die Ambulanz ist eine Art Sozialzentrum geworden. Viele, viele schicksalshafte Lebensgeschichten werden da neben den körperlichen Gebrechen ausgepackt. Da ist eine Frau, die sich verbrannt hat und jeden Tag daheim Gewalt erlebt. Sie ist leider kein Einzelfall. Die Frauen hier können nicht in ein Zentrum gehen und Hilfe holen. Es in der eigenen Familie publik zu machen oder zu den Eltern zurückzukehren, ist fast unmöglich, da die Tradition des Kanun hier sehr strikt ist: Die Frau gehört ab der Hochzeit der Sippe des Mannes. Immer wieder gelingt es jedoch auch, dass eine Frau ihre Opferrolle erkennt und aus dieser Rolle sozusagen aussteigt. Wir haben ja dafür teilweise auch wochenlang Zeit, denn Brandwunden heilen ja nicht an einem Tag. Und auch Männer «packen» aus in der Ambulanz. Vor zwei Tagen war da Xhupi, ein Mann wie ein Schrank so körperlich stabil. Seine Verbrennung war nicht so schlimm, aber seine Haut am Fuss war trocken und rissig. Ich cremte dann den Fuss noch ein und da fing er an zu weinen. Und er sagte: «Schwester, ich habe schmutzige Füsse. Du cremst sie einfach.» Er weinte weiter und erzählte: «Meine Tochter hatte ein gutes Geschäft mit dem Schwieger-sohn. Alles war in Ordnung. Dann kam Corona. Sie verloren alles durch den Lockdown. Sie sind noch nach Deutschland abgehauen. Irgendwo sind sie mit den zwei Enkelkindern in einem Lager. Ich bin allein. Meine Frau ist tot. Ich möchte nicht mehr leben. Und Du cremst mir nun die Füsse. Was mache ich denn jetzt?» Wir redeten lange. Es ging ihm besser, als er gestern wiederkam.

Ein Vater bringt seine verbrannte kleine Tochter. Wir wissen, dass dieser Mann sein Geld nicht auf legale Weise verdient. Nach dem Verbinden macht er seinen fetten Geldbeutel auf und da strotzen die 5000 Lek-Scheine. Er möchte bezahlen. Ich sage ruhig: «Nein, du kannst dieses Geld ein paar armen Bettlern auf der Strasse geben. Wir nehmen kein Geld, bete für uns!» Da ist er durcheinander. Ich sage ihm: «Mit Geld kann man nicht alles machen, weisst Du? Unser Dienst ist hier kostenlos, aber wir bitten um Dein Gebet. Hast Du das Vaterunser vergessen? Als kleiner Junge hast Du es gebetet!» Ich gucke ihn an; er nickt. Und ich sage: «Du wirst dich erinnern, das weiss ich. Bete dann für uns, für Dich und Deine Tochter.» Wieder nickt er und steckt seine Geldscheine in die Tasche. Ich gebe ihm den Segen. Er guckt mich völlig erstaunt an.

Unsere Patienten sind auch erfinderisch in Bezug auf Distanzmassnahmen nicht einhalten. Es fällt den meisten sehr schwer, ein wenig Distanz zu halten und keine Dankküsse zu verteilen. Nun, die Gesichtsmaske lässt das ja nicht so zu. Da kommen dann inzwischen einige der Patientinnen auf die Idee, mir einfach die Schulter zu küssen. Und so manches mal ist dann der Lippenstiftkuss am Habitärmel oder halt als «Abzeichen» auf der Schulterpartie der Kleidung.

Ich möchte noch von unseren Kids im Kinderzentrum erzählen. Wir haben festgestellt, dass die Kids in der Coronakrise oft die stillen Leidenden sind. Die Erwachsenen finden leichter ihren Weg. Sie können drüber reden, drüber diskutieren, über Massnahmen auch schimpfen usw. Und die Kinder sind verstummt; ihre Ängste können sie nicht artikulieren. Das Phantom, das Corona heisst, schwirrt ihnen dann in der Phantasie herum, aber bekommt keine konkreten Formen. Die Aggressivität nimmt zu. Eine Erzieherin erzählte mir, dass ihr ein paar Kinder rigoros die Maske vom Gesicht reissen und diese dann zerstören. Wir haben ein Programm entwickelt, wie wir mit den Kids in dieser Zeit

umgehen können, dass sie das Corona-Trauma einigermassen gut überstehen. Zum Programm gehört auch ein Puppen-theater. Leider sind auch die Coronazahlen hier steigend und ab Donnerstag ist Masken-pflicht überall, draussen und drinnen. Für Nicht-Einhalten gibt es Strafen. Diese Geldbussen sollen mit den Stromrechnungen verschickt werden.

Unser Müllabfuhrmann Franzi hatte mit seiner gesamten Familie Corona. Es ging ihnen schlecht und es war schwierig, ihnen die Einsicht zu vermitteln, dass sie nun in Quarantäne gehen müssen. Die Oma der Familie war schwer krank. Sie wurde aber daheim versorgt. Für eine Infusion anhängen, musste die Familie sehr lange eine Krankenschwester suchen, die das dann für viel Geld machte. An Coronakranken, die daheim sind, wird sehr viel Geld verdient. Denn die Gefahr, angesteckt zu werden, erhöht hier den Preis für das Anstecken einer Infusion oder das Geben einer Spritze um ein Vielfaches. Wir brachten dann der Familie Lebensmittel, Hygieneartikel und alles, was sie brauchten. Und Franz meinte dann, so gut habe er im Leben noch nie gegessen.

Nun, dann ist da eben Sonntag. Um 13.30 sagt mir Sr. Michaela, dass drüben, 200 Meter weit von uns, am Verkehrskreisel bei den 5 Helden eben ein Polizeichef aus der angrenzen-den Region im Auto angeschossen wurde. Sein Vater wurde auch schwer verletzt. Die Attentäter sind mit dem Motorradl gekommen und verschwunden. Der Polizist schwebt in Lebensgefahr. Am Abend sagt uns ein Freund, dass immer noch die Scherben vom Auto- fenster auf der Strasse liegen. Ich bin wieder mal betroffen. Diese Strasse ist die Hauptachse von Nord-Süd in Albanien und die Unglücksstelle ist nicht gesäubert nach einem halben Tag! Ich rufe diesbezüglich noch einen Polizisten an, aber der lacht mich fast aus. Nach kurzer Rücksprache mit Sr. Michaela entscheide ich, an den Kreisel zu fahren und die Scherben aufzukehren. Der Gedanke, dass da Menschen angeschossen wurden, jetzt um das Leben kämpfen und jeder über die Scherben fährt, das ist für mich völlig inakzeptabel. So nehme ich Besen und Schrubber, Kehrschaufel und einen Eimer und fahre los. Ida kommt mit, um ein wenig aufzupassen, dass ich nicht von einem Fahrer zusammengeschrubbt werde, denn dort ist viel Verkehr. Und es ist kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Am Strassenrand sind ein paar Flüchtlinge, die die Balkanroute für die Flucht benutzen und machen Pause. Ich grüsse sie, parke das Auto mit Warnblinklicht und steige aus. Viele feine Glasscherben sind auf der Strasse. Ich denke daran, dass ich 20 Minuten vor dem Attentat dort vorbeifuhr, um Abrahams Freund zu holen. Viele Autos kommen, aber sieverlangsamen. Ich beginne, die Scherben zusammen zu kehren und in den Eimer zu leeren. Ein junger Autofahrer stoppt kurz und ruft aus dem Fenster: «DANKE Moter, Gott segne Dich!» Und dann dauert es keine Minute, da stehen vor mir zwei der Flüchtlinge. Einer der Jungs umarmt mich, sagt: «Oh Mama!» und nimmt mir den Besen aus der Hand und kehrt zusammen. Der andere kippt die Scherben in den Eimer. Dann umringen mich alle Vier und wollen eine kurze Umarmung und jeder kehrt ein wenig. Ich stehe einfach nur da, meine Gesichtsmaske ist mir längst aus dem Gesicht gerutscht. Die Autos fahren vorbei und stoppen zeitweise kurz. Ich habe in diesen paar kurzen Minuten kein Zeitgefühl, erlebe nur unglaubliche Intensität der menschlichen Begegnung zwischen bis dahin sich völlig fremden Menschen. Dann sind die Glassplitter alle im Eimer. Ich gebe dem ersten Flüchtling die Hand und lege einfach meine Hand auf seine Stirn, um leise zu segnen. Da kommt der nächste Junge, zeigt zum Himmel und beugt seinen Kopf und so machen es alle. Die muslimischen Brüder von der Strasse möchten den Segen – Glaubensgrenzen fallen hier. Und sie verstehen weder Englisch noch albanisch noch deutsch. Sie kommen alle aus Afrika; dies konnten sie vermitteln. Aber auch die Sprachgrenzen sind hier nicht relevant, diese Sprache mitten auf der Strasse in all dem ist eine andere. Ein paar von ihnen haben Tränen in den Augen und sagen nochmal «Mama». Dann gehen sie weiter, den Weg Richtung See. Wir wissen inzwischen, dass Schlepper für die Route über den See sehr viel Geld verlangen.

Diese Begegnung werde ich nie vergessen; sie hat sich jetzt schon eingegraben. Und aus den Glassplittern werde ich einen Mosaikengel machen. Das, was dort an Unheil am Mittag an diesem Sonntag geschehen ist, kann man nicht rückgängig machen. Aber auch das, was dann am Abend geschah, bleibt in einer ganz kleinen Geschichte wie als Gegenstück präsent, auch wenn es noch so unschein-bar für die grosse Welt ist.

Und auch Ihr, die Ihr uns mit so viel Kreativität in diesen Krisenzeiten helft und unterstützt, tragt viel dazu bei, dass Gutes geschehen darf und kann und wir da sein können für die Menschen hier. Dafür sagen wir DANKE und Vergelt`s Gott.

Mit den besten Segenswünschen Sr. Christina und Sr. Michaela

Sr. Michaela räumt die abgebrochenen Äste in unserem Klostergarten weg.

30. April 2020

Rundbrief von Schwester Christina aus Albanien

Nebenschauplätze – oder doch zentral?

Liebe Schwestern und Brüder in der Heimat, liebe Freunde überall

Es ist Sonntag nach Ostern, der Sonntag der Barmherzigkeit, wie er heißen darf. Und ich denke, wie viele Facetten die Barmherzigkeit Gottes wohl hat in diesen Tagen? Und ich denke, wie viel Kreativität dieser Gott uns gibt, damit wir, ja wir, in dieser Krise das Erbarmen erfahren und weitergeben. Und ich frage mich, ob es mir das Herz und den Magen und das Gehirn umdreht und mobil macht, wenn ich an die Betroffenen der Krise denke und sie vor allem vor mir habe? Aber zuerst: wir hoffen, dass es Euch «drüben» einigermaßen gut geht, dass Ihr nicht erkrankt seid und mit Euren Lieben irgendwie den Kontakt halten könnt. Wir hoffen, dass Ihr die «Maßnahmen» unbeschadet überstehen dürft und ohne totalen «Koller» durchgehen könnt. Dafür bitten wir auch. Und wir beten, dass Gott der Allmächtige uns beherrschen darf, dass ER SEINE Gnade ausgießen darf über uns und nicht das Virus alles beherrscht, alle Gedanken, alle Handlungen und Regungen. Wir hoffen und beten, dass der Geist Gottes, der Geist des Lebens in unseren jetzt sehr geschlossenen Lebensräumen den Atem des Lebens und der Heiligkeit und der Achtung vor jeglichem Leben neu ausgießen darf. Und so wird das Virus und die Folgen nicht das letzte Wort haben. Und wir hier? Ich möchte ein wenig aus der letzten Woche berichten. Wir hatten ja wirklich alle am Beginn vom Februar eine schwere Grippe. Viele Mitarbeiterinnen waren, ebenso wie Abraham, zusätzlich von einer schweren, doppelseitigen Lungenentzündung betroffen. Diese Phase ist vorbei. Aber Shkoder hat nun etliche registrierte Corona-Patienten. Unser Wohn-gebiet in Kiras und Dobrac ist sozusagen ein «Coronanest» geworden. Wir halten Hygieneregeln ein; die hielten wir aber sowieso schon vorher, da wir immer auch infektiöse Patienten in der Ambulanz haben.

Uns beschäftigen hier mehr die «Nebenwirkungen» der Schutzmaßnahmen und der Isolation, der Schließung aller Institutionen und Geschäfte, der Fabriken usw. Seit Freitagnachmittag herrscht nun bis Montag früh absolute Ausgangssperre. Aber seit gestern gibt es Ausnahmen. Gestern durfte ich als Pensionistin (ab 60 Jahre) bis 11 Uhr mittags raus zum Luft schnappen. Heute dürfen nun Mütter mit Kids bis zu 10 Jahren auch so lange raus. So ein bisschen wie im Zoo. Schwester Michaela kam gestern an und meinte etwas ironisch: «Heute bist Du dran, aber alleine. Morgen kann ich ja dann mit dem Toni raus auf die Promenade.» Wir haben zum Luftschnappen unseren Garten und genießen jedes Blümle, das neu blüht. Sr. Michaela und ich haben eine Sondergenehmigung für Sozial- und Krankendienste. Das sieht dann so aus: Wir befinden uns auf den Nebenschauplätzen: Jeden Morgen (außer jetzt eben am Wochenende) fährt Sr. Michaela los mit ihrer Sondergenehmigung. Sie passiert Polizei- und Militärkontrollen inzwischen relativ unbehelligt. Sie kauft Unmengen von noch vorhandenen Lebensmitteln ein. Diese werden dann bei uns zu Carepaketen verpackt und dann wieder von Sr. Michaela an jene verteilt, die nicht aus den Häusern können. Die anderen Armen, die jetzt noch ärmer sind, stehen dann am Vormittag vor unserem Tor. Manche haben eine Gesichtsmaske, die meisten nicht. Wer Hunger hat, interessiert sich nicht für Schutz und kann vor allem keine Maske kaufen. Er braucht was zum Essen für die Kids. Zum Schutz davor, dass nicht etliche Familienmitglieder einzeln kommen, um mehr Pakete zu erhalten, müssen wir inzwischen die Identitätskarten verlangen. Oft kommt Sr. Michaela heim und erzählt, dass die Familien schon nichts mehr zum Essen hatten, bis von uns Nachschub kam. Und sie erzählen auch, dass die eingeschlossenen Kids jetzt viel mehr Hunger haben. Und auch unsere Kindergartenkinder haben keine Mittagsmahlzeit mehr, die sie im Kindergarten bekommen. Wie viele inzwischen ihre Arbeit in Fabriken, als Tagelöhner, in Kleinstgeschäften etc. verloren haben, das wissen wir nicht. Es sind bestimmt viele. Neben Lebensmitteln gehört zum Carepaket inzwischen auch Seife zum Händewaschen. Wir hoffen, dass das Wasser einigermaßen reicht, aber nicht alle haben Zugang. Dann ist da ein neues Phänomen, mit dem wir in der Krise wohl auch rechnen müssen: Panikreaktionen der Patienten. Es wurde eine junge, relativ schwer verbrannte Frau angemeldet. Sie kam mit ihrem Mann und musste einige Augenblicke im Korridor warten. Die junge Frau war «schwer» ausgerüstet: professioneller Mundschutz, Handschuhe und nochmal ein Tuch rum. Dann marschierte Ndua, ein älterer Patient, aus der Ambulanz und die junge Frau rastete aus. Sie weigerte sich, in die Ambulanz zu gehen und sich dort das todbringende Virus zu holen, wie sie sagte. Sie ging voll auf Angriff über und ich blieb mal in sicherem Abstand stehen. Sr. Michaela versuchte, sie zu beruhigen. Aber da wurde es ihrem Mann zu viel und er wollte sie mit Gewalt in die Ambulanz zerren. Er war nahe daran, sie einfach zu verhauen. Das konnte verhindert werden. Wir erklärten dann, dass wir sie nicht zwingen werden zur Behandlung. Und wir gaben ihr das Verbandmaterial und die Salbe mit, in der Hoffnung, dass sie heilen darf. Solche Panikreaktionen müssen wir einfach im Blickfeld haben in solchen Zeiten. Das war unsere Passage zum Lernen. Und solange keine(r) bewaffnet vor uns steht, ist alles in Ordnung. Dann ruft mich Sr. Rita an. Sie gehört einem ganz kleinen Konvent aus Italien an und ihre Schwestern und sie haben auch nichts mehr zum Essen, geschweige denn zum Verteilen an die Armen. Und sie bittet um einen Krankenbesuch bei einer noch recht jungen Frau, die mit Hirnblutung und Dekubitus unversorgt ist, da die Krankenschwester nicht mehr kommt aus Angst vor Corona. Diese Situationen haben wir jetzt sehr gehäuft. Ich packe alles ein, was mir so einfällt, um die Frau zu versorgen. Die 16-jährige Tochter der Patientin erwartet uns. Ricarda kümmert sich rührend um die Mama, aber sie hat Angst, weil sie eben jetzt alleine ist. Sose, die Mama, liegt sehr teilnahmslos im Bett. Damit sie ruhig bleibt, hat die Kranken-schwester für die Zeit ihrer Abwesenheit einfach Haloperidol dagelassen. Das hat dann die Katastrophe bei Sose ausgelöst. Und sie ist seit drei Wochen wund gelegen. Das Trinken hat nicht mehr geklappt und so ist sie auch noch ausgetrocknet. Ich weiß, wenn wir es nicht schaffen, dass sie trinkt, wird sie an Austrocknung sterben, ihr Organsystem versagen. Ich arbeite mich zu Sose vor, indem ich mich zu ihr ins Bett setze und sie an mich ziehe. Sie ist nur noch Haut und Knochen. Meine Schutzmaske hängt irgendwo an einem Ohr und ich muss komisch ausgeschaut haben. Jedenfalls hat Sose dann irgendwann nach viel Zuspruch und Wangenstreichen reagiert und die Augen aufgemacht. Die Tochter fing zu weinen an, weil sie meinte, die Mama sei schon tot. Ich sagte Sose, dass jetzt noch nicht die Zeit zum Sterben sei, erzählte ihr, dass ihre Tochter sie noch brauche und dass schließlich Ostern sei und sie noch nicht ins Grab könne jetzt. Als ich meine Bettpredigt beendet hatte, schlug sie nochmal die Augen auf und sagte glatt und trocken: «AMEN!» Nun fielen beinahe Sr. Rita und die Tochter in Ohnmacht. Dann gings weiter. Ich sagte: «Ein Glas Wasser bitte.» Ich sah einige Momente vorher, dass Sose wohl ihren Speichel geschluckt hatte, ein Zeichen, dass sie noch schlucken kann. Ricarda bekam Angst und sagte, ihre Mutter würde ersticken. Ich erklärte der Tochter ruhig, was ihr vorhatte und sie stimmte zu. Dann führte ich das Glas an den Mund und die Patienten schluckte und schluckte und trank das ganze Glas aus. Sie hatte Durst. Und dann lächelte sie. So erklärte ich dann Ricarda, wie sie ihre Mama versorgen könne und auch sie lächelte. Als ich dann Sr. Rita nach Hause fuhr, war da noch ein weiterer «Notfall», wie sie sagte. Vor ihrem Kloster kreuzte mit dem Radl ein älterer, magerer Mann auf. Sr. Rita erklärte mir, dass Gjon vor einigen Tagen aus dem Sanatorium entlassen wurde. Dort brauchen sie die Plätze wegen Corona und er mit seiner offenen Tuberkulose wurde mit einem Rezept heimgeschickt. Da stand er nun vor uns und hustete seine Tuberkel raus. Mundschutz, Handschuhe? Natürlich nichts dergleichen! Gjon hatte weder Geld seine Medikamente gegen die Tuberkulose zu kaufen noch eine Monete für Lebensmittel. Ich erklärte ihm, dass er unbedingt einen Mundschutz tragen müsse und zog ein paar unserer selbstgenähten aus der Tasche. Sr. Rita hat ihm dann noch Lebensmittel und etwas Früchte gekauft. Er hat offene Tuberkulose und wird bald das Blut husten, wenn er nicht Hilfe bekommt. Die Medikamente werden wir aus der Apotheke besorgen. Ich stellte mir dann vor, wie gerade die unsichtbaren Tuberkel von Gjon sich mit den Coronaviren treffen…und musste lachen. Und die gute Sr. Rita, meine Philosophenfreundin, fiel aus allen Wolken, als ich ihr erklärte, dass Tuberkelbazillen auch ansteckend sind und Gjon vermutlich an Tuberkulose sterben wird, wenn er weiter so abmagert und sein feuchter Wohnwagen ein Tuberkel-nest bleiben wird. Ob Corona für diesen Mann eine Rolle spielt, wollte dann die Schwester wissen. So häufen sich die Einzelfälle, die dem «Nebeneffekt» der Maßnahmen zum Opfer fallen. Da ist noch Katharina, die voller Krebsmetastasen ist. Keiner kommt mehr, das Krankenhaus hat verweigert, ihr das massive Bauchwasser ab zu punktieren – wegen Corona Gefahr. Keine Chance. Ich fahre zu ihr, bringe ein paar Erdbeeren, die sie noch essen kann. Sie spricht von ihrer Tochter, die in Italien festhängt. Letzte Gespräche – wir beide wissen es. Sie ist tief gläubig, ich bringe ihr die Hl. Kommunion. Und Schmerzmittel, denn die Tumorschmerzen sind unerträglich geworden. Aber sie erträgt alles. Sie wartet auf ihre Tochter. Und das Bauchwasser – nicht Corona – drückt ihr den Atem ab. Und dann ist da die nächste Krebskranke ohne Schmerzmittel. Die anderen kommen nicht mehr. So ist unser Gebiet nun um einiges erweitert. Wir denken nicht an den nächsten Tag, was wir heute tun können, tun wir, das Morgen hat seine eigene Sorge, steht schon irgendwie so geschrieben. Da sind dann auch noch unsere zwei Jungs. Der Antonio ist einfach ein Sonnyboy, aber auch er nimmt die Corona-Atmosphäre auf seine Weise wahr. So schlägt er vermehrt nach meiner Brille oder er macht einfach total Quatsch, wenn er essen soll. Abraham hatte einen Aus-raster, weil einfach an Ostern ein Ritual ausgefallen war. Er hat nur noch geheult und geheult, dann konnte er gut artikulieren, was ihn so beschäftigt: «Nicht das ausgefallene erste Eis an Ostern, nicht dass es unbedingt das Schoki-Osterei nicht gab, sondern einfach, dass das Gewohnte nicht mehr ist. Und keine Freunde, keine richtige Schule, alle nur mit Corona… und immer wieder nur Corona. Uns ist, durch unsere Kids, jeden Tag sehr klar, wie sehr es den Familien jetzt an den «Nerv» gehen kann, wenn zu allen Sorgen um Arbeits-plätze, um die Ernährung, die Angst vor der Erkrankung auch noch rebellierende, streitende und provozierende Kids und Jugendliche daheim eingesperrt sind. Das ist die Heraus-forderung, der wir uns auch als Klosterschwestern stellen und mit allen Familien hautnah teilen. Auch wir haben Nerven und es ist uns bewusst, dass wir uns hier in dieser Corona-Sondersituation ganz bewusst in der Hand haben müssen. Und wenn da ein provokanter Schmetterer kommt von einem Jungen, der ganz genau weiß, dass er zur Risikogruppe gehört, dann ist es umso nötiger, das «dahinter» auch mitzuhören. Geduld brauchen wir alle ein paar Kilo mehr. Und so können wir auch noch lachen, können miteinander die Zeit nutzen, eine Mühle spielen, in den Garten gehen und Sr. Michaela ist jeden Tag der Torwart und Abri knallt seine Bälle aus dem Rollstuhl, manchmal ein wenig aggressiver als sonst, ins Tor.

Ich möchte es nicht versäumen, Euch allen, die Ihr uns in diesen Zeiten mit Eurem Wohl-wollen, Eurer Solidarität,

Euren Spenden und Euren Gebeten begleitet, unser ganz tiefes DANKE zu sagen. Vergelt`s Gott.

Möge der Allmächtige Euch gesund bleiben lassen und uns alle in diesen Zeiten vor allem bewahren, was uns schaden mag.

Mit herzlichem Segengruß

Eure Sr. Christina mit allen hier im Klösterle

10. März 2020

Rundbrief von Schwester Christina aus Albanien zur allgemeinen, aber auch zu besonderen Situation rund um das Thema “Coronavirus (COVID-19)”

Wenn der Frühling durchbricht

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde

Vielleicht bin ich zu mutig, wenn ich den Frühling erwähne. Draußen im Garten blühen viele Osterglocken, die Veilchen, Gänseblümchen, Primeln, Hyazinthen. Dieses Jahr alles mit-einander. Die letzte Woche habe ich zu den Knospen fast sagen wollen: Bleibt noch ge-schlossen, es kommt schlimmes Wetter! Sie haben meinem Rat getrotzt und sich Sturm und Regen und sogar einmal dem Hagel ausgesetzt. Der Pflaumenbaum ist weiß wie Schnee von Blüten und die Bienen haben ihn gestern in zwei Sonnenstunden besucht. Es ist, als wüsste die Natur nichts von «Corona», der (die, das??) die Welt in Atem hält. Im Hymnus des Morgengebetes lese ich jetzt beim Sonnenaufgang: «Die Erde zu heilen, schuf Gott diese Tage.» Jeden Tag bekommen wir besorgte Anfragen aus der Heimat, wie es uns denn mit dem „K-Vi“ gehe, ob wir noch gesund seien, alles haben. Für diese Für-sorge danken wir sehr. Wie es uns damit geht? Ich sage manchmal für mich «Korönchen» zum neuen Weltbeherrscher. Ob er weiblich oder männlich ist, weiß ich nicht, lieber ein ES vielleicht?? Uns geht es gut. Laut den nicht mal 100 Tests, die hier gemacht wurden, hat Corona an den Grenzen Albaniens bislang Halt gemacht. Eine Grippe mit Halsweh, hohem Fieber, Glieder-schmerzen, trockenem Husten, Lungenentzündungen haben wir hier alle bereits mehr oder weniger überstanden. Abri hatte es am schwersten erwischt. Wir hatten und haben viele Patienten, die alle diese schwere Grippe haben. Ein paar Krankenhäuser fragten uns um Schutzmasken an; zum Schluss haben wir, aus Einmalwaschlappen mit tollem Material, Schutzmasken selbst genäht. Die stehen uns nun zur Verfügung. Die Fachleute hier haben folgende Gründe bekannt gegeben, weshalb Albanien (noch) „K-Vi“-frei ist: die starke Immunität der Menschen, da sie täglich mit Unmengen von Viren und Bakterien zu tun haben und/oder das Klima. Ob Korona es lieber warm oder kühl oder nass oder trocken mag, das ist offengeblieben. Uns beschäftigt mehr die Frage, warum die ganze Welt paralysiert ist und sich von einem kleinen Virus so in Angst und Schrecken ver-setzen lässt. Vielleicht haben wir es hier leichter. Wir haben eigentlich keine Zeit für Panik und Angst. Jeder Tag hat so viel an Lebensbedrohlichem, an Überlebenskampf, dass wir gelernt haben, im Bewusstsein zu leben, dass wir immer nur in die Hände Gottes fallen – egal was passiert und ist. Diese «Erdung» und gleichzeitig Vernetzung zum Allmächtigen lässt uns soweit gelassen bleiben. Und wenn dann offiziell Corona auftaucht, dann können wir hier eh nix machen, außer eben uns im Chaos durchwurschteln, wie wir es eh gewöhnt sind. Und wie dann die Versorgungslage sein wird, das wird sich zeigen. Die Menschen sind gewöhnt, dass sie nur Käse und Milch von der Kuh haben. Desinfektionsmittel haben sie nie gehabt, selbst Seife ist seit eh und je Luxusartikel für die Bevölkerung hier aus den Bergen. Und die Leute sagen uns, dass sie vor Corona keine Angst haben; sie haben schon mehr überstanden. Und so erzähle ich nun von der neu entstandenen Frauengruppe hier im Kloster. Lule und ihre Freundin waren dafür ausschlaggebend. Die Freundin, eine junge Mutter von drei Kindern, wurde von Lule schwer verbrannt in die Ambulanz gebracht. Beim Verbrennen von Müll ist etwas explodiert und die Stichflamme hat ihr Gesicht und beide Hände verbrannt. Als ich ihr Ruhe verordnete, weinte sie lautlos. Wieder mal spielte sich dasselbe Drama ab: Mütter können hier nicht einfach so mal krank sein und ausruhen. Es wird auch vom Umfeld nicht toleriert. Es stellte sich – wie schon so oft – heraus, dass diese Mutter völlig überfordert ist. Wenigstens schlägt sie ihr Mann nicht, aber der ist jeden Tag in der Stadt, um sich am Straßenrand als Tagelöhner zu verdingen. Manchmal hat er Glück, öfters kommt er völlig frustriert nach Hause. Hausarbeit jedoch lehnt er als Ehrbeleidigung ab. Wir kommen ins Gespräch. Lule kennen wir schon 14 Jahre. Damals wurde ihr Bruder wegen Blutrache er-schossen. Er war verheiratet und hatte drei kleine Mädchen, die Kleinste war 2 Monate alt. Die junge Mutter war damals gerade mal 21 Jahre alt und völlig mit der Situation über-fordert. Lule hat sich seitdem der Erziehung der drei Mädchen gewidmet; sie ist Lehrerin. Nun, wir reden und reden; die Verletzte hört auf zu zittern und lässt mal alles raus. Und am Ende der medizinischen Versorgung steht dann der erste Frauentreff im Kloster. Lule möchte alle ihre Freundinnen aus dem Wohngebiet drüben mitbringen. Letzte Woche war es dann soweit. Ich zweifelte glatt, dass sie kommen. Aber sie kamen. Erstmal vier Frauen zum Gucken, wie das so wird. Wir hatten den Tisch im Saal schön gedeckt und Kaffee und Kekse vorbereitet. Die Frauen sollten mal eine Stunde frei atmen können. Und das taten sie dann auch. Und sie fingen an, ihre Geschichten zu erzählen. Diese Geschichten wären es wert, in Bücher geschrieben zu sein. Es sind Geschichten von Frauen, die unglaubliches durchgemacht haben. Sie haben durch Blutrache, Verlust der Kinder, Gewalt, Hunger, Rechtlosigkeit und viel, viel Arbeit eine ungewöhnliche seelische Stärke entwickelt, keineswegs Härte. Was hat sie gehalten? Der Glaube, wie sie sagen, ein gewisser Humor der albanischen Berge, wo sie herkommen, sich nicht beugen vor Selbstmitleid. Ich erlebe in ihnen volle seelische Gesundheit, aber auch Ehrlichkeit, ehrliche Klage, ärgerliches Schimpfen, ehrliches Lachen, ein beherztes sich Einsetzen, und den gewissen Trotz der albanischen Frau: sie trotzen allem, weil sie letztlich für das Leben verantwortlich sind. Und sie lassen raus, dass sie in dunkelsten Stunden den Rosenkranz gebetet haben. Eine Bibel haben sie nie gelesen, über ihre Gottesbeziehung reflektieren sie nicht unbedingt, aber sie glauben, dass Gott ihr Leben in der Hand hält und ihnen das Leben aufgegeben hat. Das reicht ihnen. Und so gehen sie auch mit der Bedrohung durch Corona um. Dieses, die Welt beherrschende Virus, be-droht sie gar nicht. Sie staunen, als ich sie danach frage. Und sie lachen, als ich wissen möchte, ob sie davor denn keine Angst haben. «Nein, Schwester. Wir haben schon viel Schlimmes überstanden, zwei von uns hatten Cholera. Wir werden den auch schaffen und wenn nicht, dann ist es halt Zeit zum Sterben!» Ja, das sagen sie so. Ich denke, wo der Tod täglich wirklich so nah ist wie hier, da kann man so mit dem Leben umgehen. Und diese Frauen sind glücklich in diesen Stunden hier. Und Corona beherrscht diese zwei Stunden keineswegs. Ich lerne wieder mal intensiv von unseren Frauen und habe Hochachtung. Nach zwei Stunden gehen sie und Lule möchte in zwei Wochen weitere Frauen mitbringen. Mri sagt schmunzelnd: «Weißt Du, wir wollten erst mal gucken, wie das so ist hier. Jetzt kommen wir aber alle.» Ein kleiner Frühling im Lebenssommer! Mehr als Corona beschäftigt uns täglich die Situation der Alten und Pflegebedürftigen in den Häusern. Seit Wochen und Monaten kommen Angehörige von bettlägerigen Patienten mit Fotos von diesen. Wir sehen verfaulende Menschen. Sie sind unversorgt mit schweren Dekubiti. Wir können das nicht mehr beschreiben. Die Patienten sind wund gelegen bis auf die Knochen: Gesäß, Schultern, Fersen, Beckenknochen, alles, alles. Teilweise kommen sie so aus den Krankenhäusern zurück. Die Familien sind nicht vorbereitet, haben keine Pflege-mittel, keine Ahnung usw. Eine Frau und Mutter von zwei noch kleinen Söhnen haben drei alte Familienangehörige zu versorgen. Nun kam sie zu uns und bat um Hilfe. Was ich dann draußen sah, ist eigentlich unbeschreiblich: im ersten Stock liegt ihre Mutter. Sie hatte einen Beckenbruch, war einige Tage im Krankenhaus und kam völlig aufgelegen zurück. Das Bett ist eine Holzpritsche, die alte Frau hatte keine Schmerzmittel und die Wunden waren nicht verbunden. Sie stanken fürchterlich und die pflegende Familienmutter wusste nicht mehr weiter. Sie hatte ein paar Röcke zerrissen und rumgewickelt. In einem anderen Zimmer im Erdgeschoss liegen die Schwiegereltern. Die Schwiegermutter ist dement und macht Dinge, die gefährlich sind. Der Schwiegervater liegt auch auf einer Holzpritsche und ist seit fünf Jahren gelähmt. Ambulante Versorgung gibt es nicht. Wir haben nun wenigstens das Notwendigste eingeleitet und die Frau ist etwas entlastet. Finanziell ist diese Familie aber schon lange am Ende. Dies ist kein Einzelfall; jeden Tag kommen verzweifelte Bitten um Hausbesuche zu uns. Derweil sind wir in Planung für einen Kurs für pflegende Angehörige. Die schwere Grippewelle hat uns da aber eingebremst. Wir sind besorgt über diesen äußersten Pflegenotstand. Und Krankenschwestern, junge Arbeiter sowie Fachkräfte werden massiv vom Westen abgeworben. Das Land hier blutet aus, die Alten bleiben allein zurück. Ein soziales Netz dafür gibt es bislang nicht. Wir suchen nun nach gangbaren Möglichkeiten, denn wir können unsere Augen vor diesem bereits begonnenen Notstand nicht verschließen. Wir brauchen flächendeckende ambulante Versorgungsstrukturen. So fangen wir mal in der Frauenrunde damit an. Ich denke, diese Frauen sind fähig, sich um andere zu kümmern. Ganz einfach, ganz basal, kostet nix oder wenig. Es braucht nicht so viel. Dies ist jedenfalls mal unser nächster Schritt. So gehen wir durch die Fastenzeit und trauen der Führung des Allmächtigen und richten unseren Blick weniger auf «Korona», sondern in diesen Tagen auf den Herrn mit der Dornenkrone, der uns und die Schöpfung durch sein Leiden erlöst hat. Und wir hoffen und wünschen Euch allen den freien Blick durch diese Krisen- und Fastentage auf Ostern hin. Und wir danken für alle Gebete und alle Unterstützung und erbitten Euch den Segen Gottes.

Eure Sr. Christina mit Sr. Michaela