Arbeitseinsatz in Nicaragua 2003

Musterfarm: "Finca el Paraiso"

Die Kolpingsfamilie Hövelhof hat den aus Hövelhof stammenden Diözesanpriester Jürgen Westhof bereits mehrfach unterstützt. Im Rahmen einer Jahresaktion "Wir reden nicht nur – wir helfen" wurde im Jahr 2000 der Betrag von ca. 70.000 DM zur Verfügung gestellt. Damit wurde das Projekt einer Musterfarm "Finca el Paraiso" finanziert. Diese Finca hat das Ziel, den Menschen in der Region zu zeigen, dass Landwirtschaft auch ohne Brandrodung möglich ist. Bisher wurde je nach Bedarf immer wieder ein Stück Urwald durch Brandrodung für ein bis zwei Jahre zu Anbauflächen gemacht. Die ohnehin dünne Humusschicht wird jedoch nach nur kurzer Zeit durch das Oberflächenwasser fortgeschwemmt. Zurück bleibt unfruchtbares Land. Mit dem Projekt der Musterfarm wird auch eine Wiederaufforstung betrieben. Der Einsatz von Kompost und Gründünger wird ausprobiert und der Bevölkerung erklärt.

Einsatz in der Region Rio San Juan im Süden von Nicaragua

  • Zeitraum: 7. Februar bis 8. März 2003
  • Teilnehmer: Ansgar Thor, Anne Seitz, Andreas Poll, Markus Ringkamp, Martin Schürbrock und Ingo Dedermann (THW-Helfer mit Erfahrung im Brückenbau)
  • Leitung: Konrad Reller

Am frühen Morgen, nach Verabschiedung im Rathaus und dem Reisesegen, starteten die Teilnehmer über Düsseldorf nach Managua. Dort wartete schon Pater Jürgen Westhof. Zwei Tage durch Nicaragua: 300 Km mit Bus und Auto, dann mit dem Boot ca. 70 Km auf dem Rio San Juan, dann mit einem "LKW" zur Finca El Paraiso. Am nächsten Tag folgte ein Fußmarsch über 5 Stunden, das Gepäck wurde teilweise von Pferden getragen. Ziel war El Diamante am Rio Santa Cruz.

Projekt Brückenbau

Die Brücke trägt den Namen: "Puente para la educación" (Brücke für die Bildung). Dieser Name wurde deshalb ausgewählt, weil die Kinder nun das ganze Jahr darüber zur Schule gehen können. Mitten durch das Dorf El Diamante geht der Fluss Rio Santa Cruz. In der Regenzeit schwillt der Fuß so stark an, dass die Kinder nicht mehr an das andere Ufer gelangen konnten.

Brücke ist fertig!

Die zum Brückenbau benötigten Seile wurden in Managua eingekauft, rund 750Kg. Mit einem Mietwagen wurde es nach San Carlos gebracht, von dort weiter mit dem Schiff bis zum Anleger, der zur Finca führt. Mit einem LKW wurden die Seile und das Zubehör dann zur Finca gebracht. Pater Jürgen Westhof hatte täglich eine halbe Stunde die Möglichkeit, über den örtlichen Lokalsender "Radio Regional" Nachrichten und Informationen an die Zuhörer in der Region Rio San Juan zu übermitteln. Da der Transport nur mit sehr vielen Maultieren und Pferden möglich war, bat der Pater die Bevölkerung um Mithilfe. Am folgenden Tag kamen 15 Pferde und die Begleiter zum Transport der Materialien nach El Diamante. Die beiden Tragseile waren jedoch zu schwer für den Transport mit Tieren, diese wurden auf Boote verladen. So ging es den Rio Santa Cruz stromaufwärts. Die Teilnehmer machten sich derweil mit dem Material auf den Weg nach El Diamante. Unter großer Mithilfe der Bevölkerung wurde die Brücke fertiggestellt.

Die Daten:

  • Länge: 60,3m
  • Höhe: 5m über dem normalen Wasserstand
  • Breite: 1,2m
  • Gewicht: ca. 2t

Projekt Brunnenbau

Es gab aber noch ein anderes Projekt, was schon in Deutschland monatelang vorbereitet wurde. An mehreren Stellen sollten Wasserpumpen installiert werden. Sauberes Wasser ist nur in den großen Städten vorhanden. In den Dörfern am Rio San Juan gibt es nur Oberflächenwasser und offene Brunnen. Brunnen, das sind in den ländlichen Gebieten in der Regel gegrabene Erdlöcher ohne seitliche Abstützung mit einer Tiefe von bis zu fünf Metern und einem Durchmesser von ungefähr einem Meter. Ein gefährliches Unternehmen einen solchen Brunnen zu graben, wiederholt sind Menschen dabei verschüttet worden. Oben auf dem Brunnen ist eine mehr oder weniger große Abdeckung aus Holz angebracht. Trotzdem kann in der Regenzeit Oberflächenwasser eindringen. Deshalb sind große Teile der Bevölkerung - vor allem die Kinder - ständig krank.

Schwengelpumpe

Hier Abhilfe zu schaffen, das war das Ziel. Das gesamte Material für die Wasserstationen wurde schon im Dezember mit einem Container nach Lateinamerika verschifft. Der Inhalt, sieben Wasserpumpen samt Zubehör wie Filter, Rohre und Muffen. Mehrere Versuche, einen Filter zu setzen, wurden abgebrochen, die Bodenverhältnisse waren sehr schwierig. In San Elena, in der Nähe des Nicaraguasees wurde ein neuer Versuch unternommen. Unter großer Anteilnahme der Dorfbewohner wurde das Bohrgestänge montiert und die Bohrung begonnen. Pater Westhof, der in der ganzen Region ein großes Vertrauen besitzt, erklärte den Anwesenden, wie und warum ein solches Loch in den Boden gemacht werden soll. Die Menschen sollen schließlich selber in der Lage sein, weitere Pumpen zu setzen.

"Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten", das ist schließlich der Grundsatz, unter dem die Arbeitseinsätze stattfinden. Nach mehreren Stunden Knochenarbeit war es dann soweit, die Pumpe samt Filter war montiert und das erste Wasser trat aus dem Auslaufrohr der Pumpe. War das eine Freude, wie viele unzählige Tage und Stunden hatten die Teilnehmer auf diesen Augenblick gewartet. Groß war die Freude auch bei den Dorfbewohnern, als sie das klare Wasser sahen. Nach diesem Erfolg wurde auch diese Arbeit mit einem Gottesdienst mit Pater Westhof eingeweiht und die Pumpe der Bevölkerung übergeben.

Text: R. Athens, Fotos: Teilnehmer